Wohnung in Bochum-Harpen gesucht! Ein Schicksal, dass unser Bochumer Herz berührt...

Angst. Ein Gefühl, dass uns seit dem 22.02.22 stark begleitet. Die einen weniger, die anderen mehr. Und die, die aktuell mehr sind, stehen sich in einem Gefühl sehr nah, ohne sich zum Teil zu kennen. Diesem einem Gefühl namens Liebe. Denn wo die Angst herrscht, steckt eben die Liebe zu den Dingen, Emotionen, das Leben aber vor allem die Liebe zu seinen Liebsten. Viele Einzelne Schicksale berühren uns gesamt als großes Ganzes. Doch wo das große Ganze ist, verliert man eben auch schnell die Nähe zum Einzelnen. Deswegen ist es so wichtig, diesen vielen, einzelnen Geschehnissen einen eigenen Rahmen zu geben. Damit wir alle für die einzelnen Schicksale nicht die Nähe verlieren und nicht aufhören für unsere Werte im friedlichen Zusammenleben einzustehen.

Eins dieser einzelnen Schicksale, mit erstem Etappen-Happy End, ist die Geschichte von Nadjas Eltern aus der Stadt Schytomyr, 1713 km von Bochum und nur 153 km von Kiew entfernt. Nadja lebt mit ihren zwei Kindern und ihrem Lebensgefährten Piet in Bochum-Harpen.

Zu ihren Eltern hat sie telefonisch engen Kontakt, doch die vielen Kilometer verhindern natürlich das so wichtige und häufige `in den Arm nehmen`. Aber Liebe kennt nun mal keine Grenzen und so sind im Herzen alle nah beieinander und zufrieden, solange es allen einfach gut geht. Bis zu diesem schicksalhaften Tag, dem 24.02.22, an dem ein Mann das tut, womit keiner im gesicherten Europa zu rechnen wagte. Kokettierende und territorial-vernagelte Staatsmänner kennt man natürlich aus den Medien. Aber daraus resultierende Gefahren waren für uns doch eher fiktiv und weit weg. Schlagartig für die meisten wurden diese bisher fiktiven Szenarien bittere Realität. Und die ersten Angriffe auf die Ukraine ein wahrgewordener Alptraum. Nach der kurzen Schockstarre mit den ersten Nachrichten, kam das Entsetzen und damit die Angst der Angehörigen hier mit den Geliebten in der Ukraine. Somit auch Nadjas persönliche Angst um ihre schwerkranken und betagten Eltern in Schytomyr, gefangen in einem Hochhaus, schwer zu Fuß und auf medizinische Hilfe angewiesen. Für Nadja und Piet war klar: wir müssen sie dort rausholen! Oh Glück, durch eine schier endlos anmutende Recherche, die mehrere Tage dauerte, kam Nadja mit Sascha, einer ca. 30 jährigen Ukrainerin in Kontakt, die sich selbstlos bereit erklärte Nadjas Eltern bei der Evakuierung zu helfen und sie aus der Gefahrenzone zu holen. Zunächst waren Nadja und Piet skeptisch, was die Zuverlässigkeit dieser wildfremden Frau betrifft. Schließlich legten sie das Schicksal ihrer Eltern/Schwiegereltern in ihre Hände. Und es gab keine Zeit zur Vorbereitung, kaum Zeit Details miteinander zu besprechen. Eine wildfremde Frau, die bereit war ihr Leben für Nadjas Eltern zu riskieren. Glaube und Hoffnung kann Berge versetzen. Und so stellte sich heraus, dass Sascha zu einer der vielen unbekannten Heldinnen dieses Krieges wurde. Sie hat die Eltern mit ihrem eigenen Auto von zuhause, einem riesigen Wohnsilo, wie wir es von den schrecklichen Bildern der letzten Tage in Erinnerung haben, abgeholt, sie zum Bus gebracht und sogar im Bus bis zur ukrainischen-polnischen Grenze begleitet!


Nadja, Piet und sein Neffe Michel zögerten nicht und machten sich sofort auf den Weg an die ukrainischen Grenze. Dorthin zu fahren, wo eigentlich nur noch alle weg möchten. In einer Stunde haben sie ihr Auto mit Hilfe aller hilfsbereiten Nachbarn voll mit Sachspenden gepackt und sich unverzüglich auf die knapp 1400 km lange Fahrt ins Ungewisse gemacht.

Begleitet von den aktuellen Nachrichten wäre es untertrieben zu sagen, dass lediglich Unsicherheit mit an Bord war. Man kann schon von der blanken Angst sprechen, nicht zu wissen, was passiert als Nächstes. Feuer im Atomkraftwerk, Raketenangriffe… der blanke Horror gepaart mit der Unsicherheit, schaffen es die Eltern bis zur Grenze? Findet man sich? Packen sie es körperlich?

Und dann das erlösende Treffen an der Grenze. Sascha hat es geschafft die Eltern in Sicherheit zu bringen! Die Tränen der Erleichterung flossen in Strömen. Wir können uns nur ansatzweise in diesen Moment vorstellen was das bedeutet. Die Bilder sagen mehr, als wir es in Worte fassen können.

Die Sachspenden aus Bochum wurden mit größtem Dank entgegen genommen und helfen zumindest ein bisschen die Not zu mildern.

Und Sascha? Nadja, Michel und Peter fragten sie direkt:“ Möchtest du nicht mit oder weg in Richtung Westen?“ „Nein!“ sagte Sie „ich muss zurück. Die Kinder, Alten und Schwachen helfen zu evakuieren und auch an die Grenze bringen“ Sie drehte sich um und fuhr zurück in das Epizentrum kriegsverbrecherischen Handelns um noch mehr Menschen zu retten, die es alleine nicht schaffen werden. Was für eine Heldin!!!!! Mut und Altruismus, das sind die Motivationen, denen so vielen Menschen ihr Leben zu verdanken haben werden. So auch Nadjas Eltern.

Nadja und Sascha, die stille Heldin aus der Ukraine

Beide bzw. alle sind nun sicher in Bochum angekommen und können selbstredend erstmal bei ihrer Tochter und Familie wohnen. Doch dauerhaft wird es zu klein. Die 14 jährige Tochter hat selbstverständlich ihr Kinderzimmer für Oma & Opa zur Verfügung gestellt, was für ein junges Mädchen zumindest langfristig eine schwierige Situation darstellt. Und so liegt es an uns, das erste Etappen-happyend zu einem Endgültigen werden zu lassen. Wer eine barrierefreie Wohnung in Bochum-Harpen weiß, in der man zukünftig auch Haustiere halten darf, kann sich gerne sofort an uns wenden! Wir leiten ein Angebot direkt weiter. Oder direkt an Nadja oder Piet natürlich. Wir als Flotte, die sich schon immer eingesetzt haben, Menschen in einzelnen Schicksalssituationen zu unterstützen, bis sie selbst wieder auf eigenen Beinen stehen möchten und können, werden diese Familie begleiten und euch alle auf dem Laufenden halten so bald Dinge benötigt werden. Zuerst ist es die ärztliche Versorgung und eine Wohnung.

Im Vorfeld der Evakuierung hatte sich Nadja auch an Radio Bochum gewandt, um vielleicht auf diesem Weg Informationen und Tipps zu erhalten, wie und unter welchen Umständen, die Eltern aus der Ukraine zu retten wären. Der Radiosender konnte zwar leider nicht mit konkreten Tipps dienen, jedoch waren sie sehr empathisch und drückten ganz feste die Daumen, dass alles ein gutes Ende nimmt. Als Radio Bochum erfuhr, dass die Rettung ein Happy End hatte, wurden Nadja und Piet sofort um ein Interview gebeten. Sie wollen ihre Geschichte, Erlebnisse und Emotionen teilen und die Bochumer Hörer über die schrecklichen Konsequenzen dieses Krieges sensibilisieren. Die Sendung wird voraussichtlich am 11.03.2022 zwischen 6 und 10 Uhr in mehreren Sessions auf 98.5 gesendet. Den genauen Sendetermin werden wir dann aber noch teilen.

Deswegen danken wir euch für eure Geschichte und hoffen, dass alle diese Traumata mit viel Liebe und Solidarität überwinden können um Kraft für die nächsten Schicksale zu sammeln, um auch in den schlechten Zeiten für einander einzustehen und zu zeigen, unsere Freiheit ist es jeden zu respektieren und zu akzeptieren und eben auch füreinander da zu sein, wenn Einzelne meinen den berühmten Unfrieden zu stiften.


Habt euch lieb!!!


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